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Das Stück Land, das mir anvertraut ist, achtsam und sachkundig gestalten und nutzen

Gedanken zu Patrick Whitefields „WAS WIR FÜR DIE ERDE TUN KÖNNEN“

von Thomas Meier und Marlies Ortner

Nach der Übersetzung des „Earth Care Manual“ von Patrick Whitefield war allen zwanzig am Projekt beteiligten PermakulturistInnen klar: Der 500-Seiten-„Wälzer“ ist ein auf die europäischen Klima-, Boden- und Gesellschaftsverhältnisse optimal abgestimmtes Permakultur-Buch mit einer nicht enden wollenden Fülle an wertvollen Informationen, sowohl für EinsteigerInnen als auch für erfahrenere Permakultur-Tätige.

In allen Kapiteln geht der Autor auf die europäischen Klima- und Bodenverhältnisse ein und zeigt die Voraussetzungen und Lebensfaktoren der hier angestammten Tier- und Pflanzenwelt auf – die ja eine wesentliche Grundlage für das Leben der Menschen darstellt. Übersichtlich und klar werden Gestaltungsmöglichkeiten beschrieben, mit deren Hilfe wir uns sanft in europäische Ökosysteme einklinken können; uns als Teil des Ganzen fühlen dürfen und so auch eigene Ansprüche und Bedürfnisse mit in dieses gemeinschaftliche Biotop nehmen und an die Möglichkeiten des Ökosystems anpassen können.

Als Teil des Ganzen werden wir auch unser Stück(chen) Land, ja alles was uns umgibt mit Achtung und Respekt behandeln – auch aus der Überzeugung heraus, allen Lebewesen ihr Recht auf Leben nicht nur theoretisch zuzugestehen, sondern auch soweit wie möglich tatsächlich zu gewährleisten. Dazu müssen die meisten von uns konkrete Schritte setzen, die das eigene Wissen über die ökologischen Zusammenhänge vermehren und erweitern und die die erforderlichen praktischen Fertigkeiten für den Umgang mit dem eigenen Stück Land verbessern.

Dann sind wir – soweit es denn überhaupt in unserer Hand liegt – zum Gestalten, Umgestalten und Bewirtschaften befähigt, können uns guten Gewissens „einmischen“ und dafür Sorge tragen, das es allen im kultivierten Ökosystem gut geht. Jeder Garten, jede Wiese, jeder Wald und jedes Gewässer hat eigene Ansprüche, die erfüllt sein müssen, damit er/sie als Lebensraum weiter bestehen kann.

Patrick Whitefields LeserInnen lernen sehr praxisbezogen wichtige Grundsätze kennen, wie sie die Bedürfnisse kultivierter Ökosysteme durch (Um-)Gestaltung und Bewirtschaftung fördern und unterstützen können.

Nahrung steht immer wieder in der Mitte der Aufmerksamkeit, und zwar zuerst die „Nahrung“ für den Garten, den Gemeinschaftsacker, den Teich und die Kleinlandwirtschaft – und danach erst die Nahrung für die Menschen aus dem Garten und von Wald, Teich und Acker, mit der Unterstützung durch Tiere.

Klassische Selbstversorgungsgärten und funktionelle Gemeinschaftsgärten in der Stadt und auf dem Land, nahrhafte Wassergärten, Obst- und Nuss-Gärten verbunden mit Geflügelhaltung sowie zukunftsfähige weil energie-positive Landwirtschaftssysteme (von Biolandwirtschaft über Polykultur bis Agro-Forstwirtschaft und Tierhaltung und einer Vielzahl zeitgemäßer Kooperationssysteme) werden ebenso detailliert beschrieben wie der Wald als Quelle aller Ressourcen.

Spannend zu lesen ist das Kapitel über die Biodiversität: Es ist sehr fundiert und dennoch gut verständlich und macht uns unmissverständlich klar, wie abhängig wir von der Vielfalt in den Ökosystemen sind.

Den praktischen Gestaltungsthemen vorangestellt hat Patrick Whitefield Kapitel, die auf sehr anschauliche Weise ökologisches Grundlagenwissen vermitteln: zu den Themen Boden (jetzt verstehen wir ihn endlich ein bisschen mehr…), Klima und Mikroklima, Wasser und Energie.

Das Energie-Kapitel z.B. beginnt mit der Beschreibung der geeignetsten Energiequellen und deren maßvoller Nutzung. Der verschwenderische Gebrauch von Antriebs- und Wärmeenergie verschlinge zunehmend die erreichbaren fossilen Reserven und die der neu erschlossenen erneuerbaren Energien. Der Autor fordert ein Umdenken bei der Herstellung von elektrischer Energie und deren Einsatz und gibt konkrete Anleitungen zur Gestaltung des alltäglichen Energiegebrauchs.

Dem energieeffektiven Bauen und Renovieren ist das folgende Kapitel gewidmet.

„Dämmen was das Zeug hält“ haben sich heute viele Umweltministerien auf die Fahnen geschrieben. Leider wird damit oft die Lebensqualität in den Gebäuden verschlechtert und Altbauten werden in ihrem Bestand dadurch gefährdet, dass die Wände vernässen und die Baumaterialien leiden. Die geeignete Auswahl natürlicher Bau- und Dämmstoffe, deren Einsatzgebiete und die richtige Verarbeitung stellt aber auch einen wichtigen Beitrag zum notwendigen Energiesparen dar. Der Autor geht im „Earth Care Manual“ auch auf dieses wichtige Grundwissen ein und verbindet Energiesparen mit Low-tech-Elementen, Dezentralisierung und Gesundheitsförderung.

Am Beginn des Buchs bringt Patrick Whitefield seine klare Werthaltung gegenüber dem Leben in all seinen Formen zum Ausdruck, führt auf sachliche und übersichtliche Weise in die Gedankenwelt der Permakultur ein – und zwar ohne ein „Paradies auf Erden“ zu versprechen – und leitet die LeserInnen dann sehr anwendungsorientiert zu wichtigen Permakultur-Prinzipien weiter, also zu Leitlinien für die eigene Alltagsgestaltung, vor allem aber zu Grundsätzen und Werkzeugen für die Gestaltung größerer und kleinerer kultivierter Ökosysteme.

Der letzte und wahrscheinlich von vielen am dringendsten erwartete Abschnitt des Buchs beschäftigt sich mit den Vorgehensweisen und Methoden beim Planen und Gestalten. Mit bei anderen AutorInnen vermisster Klarheit beschreibt Patrick Whitefield die Schritte des Gestaltungsprozesses, von der Idee über das Konzept und die Detailplanung bis hin zum Entwurf und seiner späteren Überprüfung. Anschaulich und gut verständlich ist das Planungsbeispiel, wo der Autor die Planung und Gestaltung des eigenen Hausgartens, die Überprüfung des Ergebnisses nach zwei Jahren und die daraus folgenden Maßnahmen zur Umgestaltung beschreibt – ohne Eitelkeit, mit hilfreichen Grafiken und prächtigen von Hand gezeichneten Skizzen.

Die das Buch abschließende Darstellung wichtiger „archaischer“ Planungs-Techniken und Fertigkeiten zeigt auf, was wir auf diesem Gebiet schon alles „verlernt“ haben: Vermessen und Pläne zeichnen ohne elektronische Hilfsmittel, in der Landschaft lesen und den beteiligten Menschen zuhören, Gestaltungswerkzeuge anwenden und dann in einer kreativ-intuitiven Zusammenschau die einzelnen Elemente zu einem funktionierenden, gut verknüpften Gefüge anordnen.

Dieses Buch kann es bewirken: dass wir Entwurfsprozesse steuern lernen, die ein zukunftsfähiges Miteinander von Menschen und Landschaft in erreichbare Nähe rücken.

WAS WIR FÜR DIE ERDE TUN KÖNNEN – Unsere Lebensräume zukunftsfähig gestaltuen und nutzen. Permakultur-Handbuch für Stadt und Land in Europa, Patrick Whitefield, deutschsprachige Erstausgabe, Herausgeberin: Permakultur-Akademie im Alpenraum, Großformat, Hardcover, 560 Seiten, 206 s/w- und 43 Farb-Fotos, 145 Grafiken und zahlreiche Tabellen, gedruckt mit Pflanzenölfarben auf Recycling-Papier, EUR 95.– plus Versand.
1 Euro von jedem verkauften Buch geht an ein Wiederbewaldungsprojekt.

Bestellungen an bestellung-ecm@permakultur-akademie.com
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