Mollison wörtlich

Grüße an meine Freunde in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol. Es war in den frühen 1980ern, als Declan und Margrit Kennedy mich nach Berlin zur Internationalen Ausstellung für Energie sparendes Bauen einluden.
Die Kennedys und Joe Polaisher haben über die letzten 30 Jahre weiter unterrichtet und begeistert und ihre Studenten/Studentinnen unterrichten jetzt auch.
Ganz Europa benötigt gute Beispiele für Permakultur, für häusliche Ernährungssicherung, das Sammeln von Wasser in der Landschaft und Energie sparende Wohnhäuser.
Ich bin mir sicher, dass PraktikerInnen aus Österreich, Deutschland, der Schweiz und Südtirol ihre Fertigkeiten weit in den Osten und Norden Deutschlands verbreiten werden; wäre ich jünger, würde ich mich ihnen anschließen. Meine ganze aufrichtige Unterstützung gilt diesem Buch.

Bill Mollison, Tasmanien 2010

1972 bis 1974 verbrachte ich (später gemeinsam mit David Holmgren) einige Zeit damit, eine interdisziplinäre Erd-Wissenschaft (Permakultur) zu entwickeln, mit dem Potenzial für eine positive, umfassende und globale Wirksamkeit. Erst im Januar 1981 schien das Konzept der Permakultur ausreichend ausgereift zu sein, um als angewandtes Gestaltungssystem unterrichtet zu werden, und die ersten 26 StudentInnen schlossen einen 140-stündigen Intensivkurs ab. Heute können wir auf Tausende Menschen verweisen, die Permakultur-Gestaltungskurse, -workshops, -vorlesungen und -seminare besucht haben. Die AbsolventInnen bilden jetzt ein loses weltweites Netzwerk und handeln wirksam in vielen Ländern. Die Permakultur-Bewegung hat keine zentrale Struktur, aber dafür einen ausgeprägten Sinn für gemeinsames Arbeiten. Es steht jedem/jeder frei, entweder als Einzelne/r zu handeln, eine kleine Gruppe zu bilden oder innerhalb einer anderen Organisation zu arbeiten. Wir kooperieren mit vielen anderen Gruppen unterschiedlichster Überzeugungen und Praktiken. Unser Konzept beinhaltet gute Methoden aus zahlreichen unterschiedlichen Disziplinen und Systemen und bietet sie als umfassendes Ganzes an.

Spätestens 1984 war klar geworden, dass viele von den Ideen, die wir zehn Jahre zuvor vorgeschlagen hatten, tatsächlich ein zukunftsfähiges Modell bilden, das die Verantwortung für die Erde wahrnimmt. Fast alles, was wir vorgeschlagen hatten, war getestet und erprobt, und wo Fähigkeiten und Kapital vorhanden waren, konnten Menschen mit Produkten, die aus dauerhaften Landschaften gewonnen wurden, ihren Lebensunterhalt verdienen –  wenngleich dies kein vorrangiges Ziel der Permakultur ist. Permakultur ist zuallererst darauf ausgerichtet, für das Land zu sorgen und es zu stabilisieren, dann darauf, den Bedarf der lokalen und regionalen Haushalte zu decken, und erst danach darauf, einen Überschuss zum Verkauf oder Tausch zu produzieren.

Permakultur (permanent agriculture = dauerhafte Landwirtschaft) ist das bewusste Gestalten und Erhalten landwirtschaftlich produktiver Ökosysteme, die die Vielfalt, die Dauerhaftigkeit und Selbstregulierungsfähigkeit natürlicher Ökosysteme aufweisen. Permakultur ist die harmonische Verbindung der Landschaft mit den Menschen, die auf zukunftsfähige Weise selbst für ihre Nahrung, Energie, Unterkunft und ihre sonstigen materiellen und nicht-materiellen Bedürfnisse sorgen. Ohne dauerhafte Landwirtschaft ist keine beständige soziale Ordnung möglich.
Permakultur-Gestaltung ist ein System, das gedankliche, materielle und strategische Bausteine zu einem Ganzen zusammenfügt, das zum Wohl des Lebens in all seinen Erscheinungsformen arbeitet.
Die Haltung, die hinter der Permakultur steht, arbeitet mit der Natur anstatt gegen sie, stützt sich auf ausgedehnte und überlegte Beobachtung anstatt auf fortwährende gedankenlose Handlungen, betrachtet Systeme in all ihren Funktionen anstatt nur einen bestimmten Ertrag von ihnen zu fordern und erlaubt den Systemen, ihre eigene Entwicklung zum Ausdruck zu bringen.

aus Handbuch der Permakultur-Gestaltung, 2010, Vorwort

Unsere verheerende Lebensweise hat uns an den äußersten Rand der Vernichtung geführt. Wir haben unser Recht auf der Erde zu leben zu einer Berechtigung, die Erde zu erobern, ausgedehnt, doch „Eroberer“ der Natur verlieren immer. Reichtum, Macht oder Land über die eigenen Bedürfnisse hinaus anzusammeln,
ist in einer begrenzten Welt wahrhaft unmoralisch, sei es als Einzelperson, als Institution oder als Staat.
Unser bisheriges Handeln können wir ändern. Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren, wir brauchen auch nicht noch mehr Katastrophen als Beweismaterial. Die Zeit zum Handeln ist gekommen. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass Menschen die einzige Entscheidungsquelle sind, die Menschen brauchen. Wir selbst, wenn wir unsere Talente organisieren, sind ausreichend für einander. Mehr noch, wir werden entweder
gemeinsam überleben oder keiner von uns überlebt. Jetzt gegeneinander zu kämpfen ist genauso dumm und zerstörerisch wie in Zeiten von Naturkatastrophen Konflikte auszutragen, während das Zusammenwirken aller lebenswichtig ist.

Ein mutiger Mensch von heute ist ein Mensch des Friedens. Wir brauchen den Mut, Autorität abzulehnen und nur persönlich verantwortete Entscheidungen zu akzeptieren. Wachstum um jeden Preis ist ein ebenso schändliches und überholtes Konzept wie Krieg. Es sind unsere Leben, die zunichte gemacht werden. Was noch schlimmer ist: Es ist die Welt unserer Kinder, die zerstört wird. Die einzig mögliche Entscheidung ist daher, zerstörerischen Systemen jegliche Unterstützung zu verweigern und damit aufzuhören, unsere Leben unserer eigenen Vernichtung zu widmen.

Das Typische, das alle dauerhaften Landwirtschaftsformen charakterisiert, ist, dass der Energiebedarf des Systems vom System selbst gedeckt wird. Die moderne Getreide-Landwirtschaft ist vollkommen von externen Energiequellen abhängig, daher das Öl-Problem und die damit verbundene Umweltverschmutzung.

So bedingt der Schritt von dauerhaften produktiven Systemen, wo Land gemeinschaftlich verwaltet wird, zu einjährigen, kommerziellen Landwirtschaftsformen – wo Land als Ware angesehen wird – den Abschied von einer Niedrig-Energie-Gesellschaft und die Entwicklung zu einer energieintensiven Gesellschaft, mit ausbeuterischer Landnutzung und Bedarf an externen Energiequellen.

aus Handbuch der Permakultur-Gestaltung, 2010, Kapitel 1, Einleitung